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Olivia Byington – die Stimme

Von Felipe Tadeu
Übersetzung und deutsche Fassung: Michael Kegler

Olívia ByingtonZwei Konzerte in Deutschland, eins in Frankfurt, das andere in München – Olivia Byington, Sängerin und Komponistin aus Rio de Janeiro, Brasilien sang im dreißigsten Jahr ihrer Musikkarriere, die seinerzeit mit dem unvergessenen Album »Corra o Risco« (Riskiere es) begann, zum ersten Mal auf deutschen Bühnen.

Zweifellos ist Olivia Byington eine der größten Interpretinnen Brasilien. A Vida é Perto, das Leben ist nah, heißt ihr neues Programm, das sie seit vergangenem Jahr in den wichtigsten Städten Brasiliens (150 Konzerte bislang) aber auch schon in Portugal und Frankreich aufführt, und so präsentiert sie sich dem deutschen Publikum in intimer Atmosphäre, auf einer einer mit Teppichen und Büchern, Lampions und bunten Tüchern dekorierten Bühne, die an ein Wohnzimmer erinnert. Im Repertoire sind einige eigene Kompositionen doch vor allem Stücke von Tom Jobim, Pablo Milanés, Chico Buarque, um nur einige zu nennen. Auf englisch erzählt Olivia dazu die Geschichte ihres Lebens, verwebt die Lieder mit Charme und Humor zu einem Drehbuch, das die Zuschauer bewegt und in ihren Bann zieht, und man merkt der charismatischen Sängerin an, dass sie schon lange auf Bühnen unterwegs ist, unter anderem auch schon mit Tom Jobim, Egberto Gismonti oder Chico Buarque; ihre ersten musikalischen Gehversuche unternahm sie übrigens seinerzeit mit dem inzwischen zum Kult-Cellisten avancierten Jaques Morelenbaum in einer Band namens »Antena Coletiva«. Heute singt sie auf Französisch, Spanisch und beweist nicht zuletzt dadurch, dass eine Karriere im Ausland längst überfällig ist.

Zehn Platten hat die inzwischen 49jährige Sängerin mittlerweile auf dem Markt und eine weitere (unplugged, Stimme und Gitarre) soll noch in diesem Jahr in Brasilien erscheinen, und kein Mensch zweifelt daran, dass Olivia Byington ganz genau weiß, wohin sie will. Ihre Version von »Uva de Caminhão« von Assis Valente wird zur subtilen Anspielung auf Carmen Miranda - die Portugiesin, die über das Hollywood der 30er Jahre zum Mythos der brasilianischen Musik avancierte. Ein Medley aus Caetano-Veloso-Stücken wie »Alguém Cantando« und »Muito Romântico« gerät in ihrer Interpretation zum Blues. Doch ihre wahre Spezialität sind Lieder von Tom Jobim: »Modinha No. 1« und »Por Toda a Minha Vida«, beide aus der lyrischen Feder von Vinicius de Morais und musikalisch deutlich von Heitor Villa-Lobos, dem größten Idol des Bossa-Nova-Komponisten, inspiriert. Mit geradezu glasklarem Gesang und musikalischen Tricks, die aufmerksame Zuhörer in Verzückung geraten lassen, erreicht das Konzert einen weiteren Höhepunkt mit einer höchst eigenwilligen Interpretation von »Feuilles Mortes« von Joseph Kosma und Jaques Prevért, mit dem der in Italien geborenen Franzose Yves Montand seinerzeit berühmt wurde. Nun begleitet seine elektronisch gespeicherte Stimme aus dem Laptop die brasilianische Chanteuse in einem faszinierenden »virtuellen« Duett.

Mit Stücken von Egberto Gismonti erinnert Byington schließlich an einen Künstler, der zum einen für ihre eigene Laufbahn nicht unwichtig war, und gleichzeitig zitiert sie einige der besten Aufnahmen jenes Künstlers, dessen beste Aufnahmen in Deutschland bei ECM herausgebracht wurden. »Palhaço« wiederum, ein Instrumentalstück von Gismonti & Geraldo Carneiro, das Gismonti später auf seiner besten LP »Circense» einspielte, entstand ursprünglich unter dem Titel »Mais Clara Mais Crua» für Olivia Byingtons erste Platte im Jahr 1978. Natürlich singt sie auch diesen Klassiker, ebenso wie »Lady Jane« ihren bislang größten kommerziellen Erfolg, eine Komposition der Brüder Geraldo und Nando Carneiro, der wiederum 1984 auch in Deutschland eine LP namens »Violão« auf dem unvergleichlichen Label von Manfred Eicher veröffentlichte.

Kürzlich erschien nun auch die erste DVD von Olivia Byington in Brasilien, eine Aufzeichnung dieses unvergleichlichen Bühnenprogramms. Wer die Konzerte in Frankfurt oder München verpasst hat, kann darauf zurückgreifen (Es ist bei Biscoito Fino erschienen), und dann natürlich die Daumen drücken, dass Byington im kommenden Jahr wiederkommt nach Deutschland.