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Antonio Pedro

»Tudo foi feito pelo sol« strahlt weiter

Man kennt Os Mutantes als Ikone der Tropicália Bewegung, und man denkt dabei vor allem an die illustren Gründungsmitglieder Sérgio Dias, Arnaldo Baptista und Rita Lee. Ihr Debüt »Os Mutantes« (1968) ist ein Klassiker der brasilianischen Rockmusik, und die Band hat Künstler wie Beck und Kurt Cobain inspiriert.

Nach dem Ausstieg von Arnaldo und Rita hörten Os Mutantes aber nicht auf. Sérgio Dias formierte eine neue Mutation mit neuen Musikern und einer neuen musikalischen Richtung. Der Sound wurde heavier und progressiver. Und DAS erwartet einen auf der Platte von 1974 »Tudo Foi Feito Pelo Sol«. Wir lassen den Bassisten Antônio Pedro sprechen, der bei dieser Formation dabei war, und viel besser über die Entstehung und Wirkung des Albums sowie die Reunion und die letzten Konzerte erzählen kann. Ein sehr cooles Gespräch, das wir am 26. Oktober 2013 geführt haben. Rock ab, baby!

Von Felipe Tadeu, ins Deutsche übersetzt von Patricia Sojka

Felipe Tadeu - Das Album »Tudo Foi Feito Pelo Sol« ist wieder in aller Munde in Brasilien, und das 40 Jahre nach seiner Veröffentlichung. Die vier Musiker, die dieses Album damals aufnahmen, haben sich mit diesem Repertoire nun wieder auf der Bühne für einige Konzerte getroffen. Wie ist es dazu gekommen?

Antonio Pedro - Es fing alles virtuell an. Wir trafen uns tatsächlich nicht so oft. Rui Motta (Schlagzeuger) und ich hielten ab und an ein Schwätzchen hier in Rio, aber Sérgio Baptista (Gitarrist) und Túlio Mourão (Keyboarder) waren weit weg - Sérgio in São Paulo und Túlio in Minas Gerais. Wir hatten absolut keinen Kontakt. Aber man hörte hier und da vom Album; dass die Leute es mochten usw. Und dann fing das mit Orkut an [ein in Brasilien populäres soziales Netzwerk; Anm. d. Ü.]. Das Album hatte gleich zwei Gruppen bei Orkut, die Leute sagten nur Gutes darüber … Und irgendwann traf ich Sérgio und wir sprachen darüber. Er sagte »Mann, lass und doch mal wieder Mucke machen! Ich hab’ ein Studio hier in São Paulo, kommt doch vorbei«! Die Idee ist weiter gereift. Ich habe mit Rui gesprochen und gefragt, ob er wusste, wo Túlio war und wie wir es schaffen könnten, ihn zu kontaktieren. Wir haben ihn gesucht und er hat ihn gefunden. »Also, Túlio ist in Minas [Gerais] und er sagt, so ein Treffen wäre wirklich toll«. Also verabredeten wir uns dort mit Sérgio, das war in 2006. Das Wiedersehen war großartig! Alle waren gesund und munter! Wir hatten unsere Instrumente dabei und verbrachten zwei Tage in seinem Studio und spielten, spielten, improvisierten … Es herrschte große Euphorie. Also machten wir einen zweiten Termin aus, und 20 Tage später gingen wir wieder dorthin, um die Idee reifen zu lassen. Wir spielten alles nochmal, aber dann spürte ich schon etwas anderes in der Luft. Das war dem Vorschlag vom Barbican [Centre] in London zu verdanken, eine Tropicália-Reunion zu organisieren, die Tropikalisten zu ehren, und alle sollten dabei sein: Gal Costa, Gilberto Gil, Caetano [Veloso], Tom Zé und die früheren Mutantes. Os Mutantes haben versucht, sich wieder zu vereinen, aber nur Arnaldo und Dinho waren dabei, bei den anderen hat es nicht wirklich funktioniert. Also, luden sie Zélia Duncan und noch ein paar andere Leute ein, nahmen eine DVD auf und machten ein paar Konzerte in Brasilien und weltweit. Die Zeit verging, bis wir schließlich im Dezember letzten Jahres eingeladen wurden, die Band wieder zusammenzutrommeln und beim Festival Psicodália mitzumachen, ein alternatives, multimediales Festival im südlichen Santa Catarina, weil dort nämlich »Tudo Foi Feito Pelo Sol« immer noch sehr präsent war. Sérgio war damals in den USA, aber wir trafen uns und probten zehn Tage lang, um dann eine unglaubliche Überraschung zu erleben! Die vier tausend Menschen waren gerührt, nahmen sich in die Arme und sangen alle Lieder mit. Und danach kamen alle mit ihren Platten zu uns, um sie signieren zu lassen … Ich glaube, ich habe noch nie soviele Autogramme gegeben! Ich habe nie geglaubt, ich würde sowas eines Tages erleben. Dann war Sérgio dermaßen begeistert, dass er sagte »Wir müssen jetzt eine Tour machen«. Aber er musste erstmal zurück in die USA, andere Dinge erledigen, mit seiner anderen Band auf Tour gehen... Es hat lange gedauert bis wir uns wieder trafen, das war dann Anfang Oktober, zu einem Konzert in Belo Horizonte, im SESC Palladium, auch ganz ordentlich, mit 1400 Plätzen, und wir wurden genauso empfangen. Das Konzert war dann schon besser produziert, mit Bühnenbild, der Sound war besser … Das Ganze wurde vom Rede Minas TV aufgenommen und wird als Jahresendespecial ausgestrahlt. Die Wahrheit ist, das Album ist schon... eine Legende geworden. Ein Werk, das vor 40 Jahren aufgenommen wurde und dazu fähig ist, die jungen Leute von heute zu vereinen, die das Ganze über Internet und Mundpropaganda bis heute am Leben halten. Es ist verblüffend!«

FT - Könntest du uns erzählen, wie du bei den Mutantes gelandet bist?

Antonio Pedro - Das ist auch eine interessante Geschichte, denn 1973 spielte ich bei einer Band namens Veludo Elétrico, zusammen mit Lulu [Santos], Túlio Mourão, Rui Motta und Paul de Castro. Vorher hatten sie den Bassisten Fernando Gama, aber er stieg aus und Rui holte mich ins Bot. Ich wohnte in Niterói und kannte Rui von dort. Und Túlio kannte ich durch das Studium am Instituto Villa-Lobos, am Flamengo Strand in Rio, eine sehr avantgardistische Schule. Wir nahmen damals ein Studioalbum in Gamboa [Viertel in Rio; Anm. d. A.] auf, und Lulu kannte Sérgio schon. Lulu war ein Fan von Os Mutantes. Os Mutantes waren bei einer Sendung von Globo [brasilianischer Fernsehsender; Anm. d. Ü.] namens Som Livre Exportação, und Lulu traf sie dort und ging mit ihnen nach São Paulo. Also, kam Sérgio auch öfter mal nach Rio. Nachdem er eine gemeinsame Freundin, Eunice, kennenlernte und sie zusammen waren, war er dann noch öfter da. Bis irgendwann Arnaldo Baptista Os Mutantes verließ und Sérgio Túlio mit nach São Paulo nahm. Er war hin und weg von Túlios Talent! Unsere Band [Veludo Elétrico] stand dann schon auf etwas wackeligen Füßen. Zwei Monate später, ich weiß es nicht so genau, verließ der Schlagzeuger Dinho die Mutantes, weil er Probleme mit seiner Hand hatte, er konnte nicht mehr spielen. Also nahm Sérgio Rui mit! Das war das Ende unserer Band! Nach einer Weile zogen Os Mutantes nach Rio um, weil Samuel Wainer Filho ihr Manager wurde; er war der Sohn des Chefs der Zeitung Última Hora, ein sechzehnjähriger Rocker, der später mit Luís Antônio Melo den Sender Rádio Fluminense gründete. Er hatte einen ziemlich coolen Bauernhof in Itaipava, mit vier Schlafzimmern und einem Spielzimmer, das zum Studio umfunktioniert werden konnte. Als sie nach Rio kamen, war Liminha noch am Bass. Sie kamen drei oder vier Monate vor den Aufnahmen zur neuen Platte, hatten sogar schon den Vertrag unterschrieben, als Liminha beschloss, auszusteigen und nach São Paulo zurückzukehren. Dann brach Panik aus! Ich war schon zwei Mal in São Paulo gewesen, weil Rui mich mit nach Cantareira [Viertel in São Paulo; Anm. d. Ü.] nahm, wo Sérgio wohnte und wo sie probten, bevor sie nach Rio kamen. Sérgio kannte mich also schon, und ich hatte auch schon ein paar Mal mitgespielt, da dachten sie sich »Alles klar, wir holen Pedro ins Boot«. Ich packte meine Sachen in meinen Käfer, total euphorisch - schließlich waren es die Mutantes! – und ging hin. Der Traum eines jeden Rockers! Wir probten in einem magischen Ort, die Inspiration war sofort da und wir nahmen das Album in einem einzigen Take auf! Die eine Hälfte an einem, die andere am nächsten Tag. Alles live. Ohne Pause. Dieses Klima ist unterschwellig im Album zu hören, denn pausenlos zusammen zu spielen, verlangt ein eingespieltes Team. Nur der Gesang wurde am darauffolgenden Tag aufgenommen, sonst wäre es sehr durcheinander geworden.

FT - Wie hast du reagiert als du erfuhrst, dass du Liminha ersetzen würdest? Das war doch eine Riesenverantwortung oder?

Antonio Pedro - Ohja, dabei zu sein, war eine große Verantwortung! Liminha war damals schon ein würdiger Bassist. Aber ich hatte hier in Rio schon in einigen guten Bands gespielt, mit super Musikern wie Rick Ferreira und Mauro Senise. Ich studierte schon eine ganze Weile Kontrabass, und hatte sogar ein Stipendium für das Symphonieorchester, dank meines tschechischen Lehrers, der mich sehr mochte. Ich konnte die ganzen Tonleiter rauf und runter, spielte akustischen Kontrabass mit dem Bogen … Ich war wirklich fit. Bis ich eines Tages merkte, dass mein Ding eher Pop und Rock’n’Roll waren. Ich ließ alles hinter mich und wohnte eine Zeit lang in London. Als ich zurück kam, stieg ich bei der Band Veludo Elétrico ein. Und ja, als ich eingeladen wurde, bei den Mutantes mitzumachen, war ich sehr zuversichtlich, weißt du? Gleichzeitig aber auch gerührt, weil es schließlich die Mutantes waren! Die beste Band Brasiliens, die das Publikum und die Medien auf ihre Seite hatte, das beste Equipment, die besten Musiker … Ich war dabei, Teil dieser Band zu sein, was dermaßen unglaublich war! Soviel Glück hatte ich nicht erwartet! Aber da meine Freunde dieses Glück bereits gehabt hatten, warum nicht auch ich, oder?

FT - Es ist sehr kurios, dass du schon mit Mauro Senise gespielt hast …

Antonio Pedro - Das war als ich 1970, 1971, ich weiß es nicht genau, anfing, am Instituto Villa Lobos Musik zu studieren. Es war, wie gesagt, eine avantgardistische Schule und alle Musiker Rios waren dort – egal ob Rock, Jazz oder MPB. Alle mit ultralangen Haaren und angezogen wie Hippies. Ich stieg bei der Band A Fenda ein, in der Mauro Saxophon und Flöte spielte. Wir hatten Auftritte im MAM [Museu de Arte Moderna – Museum für Moderne Kunst in Rio; Anm. d. Ü.], in der Zaccaria Schule und im Schultheater. Die Band löste sich auf, aber der Schlagzeuger, er und ich machten weiterhin ein paar Jamsessions bei Freunden in Rio, Petrópolis und Miguel Pereira. Wir studierten viel, hörten Miles Davis und Coltrane, und es war die Geburtsstunde der Fusion, mit dem Mahavishnu Orchestra ganz vorne dabei. Danach begleiteten wir den Sänger Piri Reis und spielten auf einigen Festivals, wie das von Juiz de Fora. Die Band hieß Ad Libitum. Ich wohnte in Nikit [Niterói; Anm. d. A.] und besuchte ihn und den Schlagzeuger öfter. Sie wohnten im selben Gebäude in Laranjeiras. Schließlich ging jeder seinen Weg und ich traf ihn nur noch wenig.

FT - Zu dieser Zeit auf dem Bauernhof von Samuel Wainer Filho … Was habt ihr damals so gehört? Was waren eure wichtigsten musikalischen Einflüsse?

Antonio Pedro - Es gab den Einfluss von Yes, der oft erwähnt wurde, aber es gab noch viele andere Progressive Rock Bands, die uns inspirierten, wie Emerson, Lake & Palmer, Genesis … Wir hörten aber auch schon das Mahavishnu Orchestra, mit ihren virtuosen Musikern. Aber auch den guten, alten Rock’n’Roll von Deep Purple, Lou Reed, Jethro Tull und all diese Bands von Anfang der 1970er … Led Zeppelin... einfach herrlich! Für mich war diese Phase Ende der 1960er, Anfang der 1970er, die beste in der Musik – nach den Beatles, die die Musik revolutionierten. Auf der anderen Seite gab es auch den Einfluss unseres Latino-Blutes, mit Santana und den brasilianischen Künstlern, die wir hörten, wie Novos Baianos, Caetano [Veloso], [Gilberto] Gil... Ein großer Mix eben.

FT - Ich stelle es mir sehr schwer vor, damals Progressive Rock in Brasilien zu machen. Erzähl uns einbisschen vom Feedback der Kritiker. Verstanden sie eure Arbeit?

Antonio Pedro - Die Kritik war natürlich gespalten. Es gab die Leute, die unsere Arbeit schätzten und ihre Qualität erkannten, so wie unsere Plattenfirma es tat, und es gab die radikaleren Rocker, die die Rolling Stones hörten, und der Meinung waren, Rock sollte etwas solides sein. Rita hatte eine klassische Rockplatte aufgenommen und die Leute fanden es cooler. Wir haben schon ein bisschen unter diesem Vorurteil gelitten. Unsere Texte waren wirklich naiv, mit all dem esoterischen Hippietum, über Utopien usw. Rita Lee bediente eher diese freche und sarkastische Seite des Rock’n’Roll. Diejenigen, die die Stones und Ähnliches hörten, waren der Meinung, wir würden die Virtuosität des Rock’n’Roll zerrütten, aber es hatte nichts damit zu tun. Und jetzt zeigen wir mit unseren Konzerten, dass wir alles richtig gemacht haben.

FT - Und was sagst du zum Erfolg dieser Platte, die zu den meistverkauften der Geschichte der Mutantes wurde? Hat euch dieser Erfolg überrascht?

Antonio Pedro - Ohja, hat es. Es war schon damals das meistverkaufte Album, aber es spielt natürlich auch eine Rolle, dass die Platte nach all den Jahren im Katalog geblieben ist. Als die Vinyl-Ära endete und das CD-Zeitalter begann, wurde das Album direkt Anfang der 1990er in Brasilien veröffentlicht. Es war immer im Katalog, immer in den Läden und auf der Homepage des Som Livre Labels. Bei der letzten Veröffentlichung gab es ein Luxuscover, das Original Booklet und drei Bonustracks, die unmittelbar nach »Tudo Foi Feito Pelo Sol« als EP herausgebracht worden waren. Das heißt, nicht nur die damaligen Verkaufszahlen, sondern auch die Langlebigkeit der Platte haben zu ihrem Erfolg beigetragen.

FT - Nach den Mutantes hast du noch bei vielen anderen, in Brasilien erfolgreichen Bands gespielt. Du warst Bassist bei Blitz, hast sogar schon mit Tim Maia und Lulu Santos gespielt … Wie würdest du heute deine Zeit bei Os Mutantes werten?

Antonio Pedro - Es war eine entscheidende Zeit, da sie mein Eintritt in die Welt der Profimusiker war. Und es war außerdem der goldene Schlüssel, weil es nun mal ein Kultalbum ist. Die Musiker, vor allem damals, liebten es. Jeden, den ich treffe, mochte es sehr. Túlio und ich verließen irgendwann die Band – wir waren von 1973 bis 1976 dabei –, weil es schlichtweg zuviel Arbeit war, verglichen mit dem, was wir im Gegenzug bekamen. Wir waren die Pioniere der Rockmusik in Brasilien, und mussten in LKWs unterwegs sein, tonnenweise Equipment schleppen … Es war zuviel. Heutzutage ist es viel einfacher. Danach spielte ich erstmal bei Tim Maia. Ich traf ihn irgendwann in Leblon [Viertel in Rio de Janeiro; Anm. d. Ü.]. Er mochte die Mutantes, Paulinho Guitarra spielte damals bei ihm und er stellte ihn mir vor. Tim fragte dann auf seine coole Art »Hey, wollen wir mal was starten?«, wie verzaubert, total euphorisch. Also nahm ich das Album von 1976 [»Racional, Vol. II«; Anm. d. Ü.] mit ihm auf und arbeitete danach wieder mit Lulu Santos. Wir machten erstmal Jingles, Eröffnungslieder für den Sender Rede Globo... Danach lud mich Raul Seixas ein. Ich spielte mit ihm in Rio und in São Paulo, spielte wieder mit Lulu zusammen und wir gründeten eine Band mit Arnaldo Baptista, der nach Rio umgezogen war. Die Band hieß Uns e Outros. Wir spielten um die zehn Konzerte, nahmen aber nichts auf, weil Arnaldo nach São Paulo zurückkehrte. Lulu machte einige EPs mit Liedern, wie »Areias Escaldantes«, arbeitete mit Nelson Motta zusammen, nahm »De Leve« auf – eine Version von »Get Back« von den Beatles – und dann wendete sich die Rockmusik den Medien zu, da die Discomusik Ende der 1970er Rio eingenommen hatte. Wir spielten anfangs bei Noites Cariocas [Sendung auf TV Rio; Anm. d. Ü.], da kam die Kehrtwende. Lulu begann mit den Aufnahmen zu seinem Album und ich hatte auch schon ein paar Lieder aufgenommen, die darauf landeten. So entstand die Band Blitz. Wir spielten erstmal bei der Eröffnung des Circo Voador am Arpoador Strand [Der Circo Voador ist ein traditionelles Kulturzentrum, das am Arpoador Strand, in Ipanema, entstand, und sich heute in Lapa befindet; Anm. d. Ü.] und ich sah wirklich Potenzial in dieser Band. Es war lustig, wie die Mädels - Fernanda Abreu und Márcia Bulcão - mit Evandro [Mesquita] über moderne Liedtexte, über modernes Songwriting und über das Glücklichsein redeten, schließlich waren wir damals sehr glücklich. Die Konzerte im Circo waren magisch, es war immer rappelvoll, und entsprechend sprach sich das in der Stadt rum und wir wurden von EMI zu einer Testaufnahme eingeladen. Wir nahmen also ein paar Sachen auf und die Leute waren hin und weg von »Você Não Soube Me Amar«, das die Single der ersten Platte wurde. Damals nahm ich mit Lobão sein erstes Album, »Cena de Cinema«, auf. Ich spielte mit Marina … Es war eine verrückte Zeit, mit viel Hin und Her, bis Blitz schließlich zu meinem Hauptprojekt wurde. Wir spielten Konzerte im ganzen Land, ca. vier pro Woche, also blieb keine Zeit für etwas anderes und ich widmete mich der Band bis zu ihrem Ende, im Jahr 1986.

FT - Würdest du dich als Glückspilz bezeichnen?

Antonio Pedro - Ein Glückspilz zu sein, bedeutet in Brasilien nicht viel, weil Vieles hier nicht optimal läuft. Alles kommt und geht sehr schnell. Aber ja, wir hatten bisher wirklich Glück. Ich bin kein gefragter Studiomusiker, der sich über alles informiert, alles liest und bei allen möglichen Klicken mitmischt und jeden Produzenten kennt. Es ist nicht meine Art, vielleicht ist das mein Problem. Heute können nur die wenigsten sagen, dass sie von Musik leben. Nur die richtig großen Künstler, die die Prodution selbst in der Hand haben, und schon seit 30, 40 Jahren die Unterstützung der Medien erfahren, schaffen das. Aber ein Musiker ist generell eine arme Socke. Man muss unheimlich viel Energie in seine Arbeit stecken.

FT - Ist mit dieser Reunion der »Tudo Foi Feito Pelo Sol«- Formation noch mehr geplant als die aktuellen Konzerte?

Antonio Pedro - Nun, der Auftritt in Belo Horizonte wurde, wie gesagt, durch den Fernsehsender Rede Minas aufgezeichnet, mit fünf Kameras, Kran und einer wunderschönen Bühnenbeleuchtung von einem Typen, der mit Milton Nascimento zusammen arbeitet. Die Bilder müssen wirklich sehr gut sein. Eigentlich hatten wir nicht soviel Zeit zu proben. Zwischen dem Auftritt auf dem Festival Psicodália in Santa Catarina und dem in Belo Horizonte lagen zehn Monate. Wir haben drei Tage lang geprobt, hatten einige Probleme mit dem Equipment und genug Auszeit, um Interviews zu geben, aber wir probten nicht genug. Das Konzert war sehr gut, nur nicht gut genug, um daraus eine DVD zu machen. Dafür braucht man normalerweise mindestens drei Konzerte, um dann die besten Momente zusammenzuschneiden. Ob irgendwas dabei herauskommt, weiß ich nicht, aber ja, wir haben Pläne, ein neues Album aufzunehmen. Auf Tour zu gehen, wird kompliziert sein, da wir 40 Jahre medienabstinent waren. Was wir machen können, sind ein paar Konzerte hier und da, in zentraleren Orten, wie Rio de Janeiro, São Paulo, Porto Alegre, Curitiba und Brasília, wo man davon ausgehen kann, dass es ziemlich gut funktionieren wird.

FT - Antonio Pedro, das war ein sehr schönes Gespräch. Vielen Dank! 

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RaDar Brasil
Mitschnitt der Sendung vom 28.11.2013


a coluna musical de Felipe Tadeu

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Felipe Tadeu schreibt regelmäßig auf www.novacultura.de über brasilianische Musik. Auf Radio Darmstadt sendet er jeden Monat gemeinsam mit Patricia Sojka.

Den Mitschnitt der Sendung über »Tudo foi feito pelo Sol« auf RaDar Brasil hören Sie HIER.